Geburtstraumen

Oft werde ich gefragt, warum Babys schon Osteopathiebehandlungen benötigen. Babys, die noch kein Jahr auf der Welt sind, was kann ihnen eigentlich fehlen?

Abgesehen von Gendefekten, Tumoren und Behinderungen, die leider auch vor so einem frühen Alter keinen Halt machen, gibt es auch bei ganz normal geborenen Babys manchmal schon Handlungsbedarf.

Es sind die sogenannten Geburtstraumen, die hier eine Rolle spielen.

Es ist nicht dasselbe, ob ein Kind natürlich entbunden wird, per geplantem Kaiserschnitt, per Notkaiserschnitt, mit Hilfe einer Zange oder Saugglocke, ob es eine Früh- oder Spätgeburt war, lange im Mutterleib in Beckenendlage lag, während der Geburt unter Sauerstoffmangel litt oder die Nabelschnur um den Hals hatte…. Die Reihe der kleinen und größeren Komplikationen lässt sich lange fortsetzen.

Ein guter Osteopath/ -in weiß, das jedes einzelne dieser sogenannten Geburtstraumen gewisse Störfelder zeigt. Eine Frühgeburt natürlich ein anderes wie ein Baby, welches die Nabelschnur um den Hals hatte… Deshalb spielt die Anamnese (die Erstbefragung bei der Befunderhebung) eine wichtige Rolle.

Es gibt gewisse Achsen und Standards, die sollten bei jedem Baby in Ordnung sein. Danach schaue ich immer, egal wie das Baby auf die Welt gekommen ist. 

Danach jedoch scheidet sich auch bei Osteopathen die Spreu vom Weizen. Denn jetzt wird das jeweilige Geburtstrauma berücksichtigt. Babys können Ihr Unbehagen oder Ihren Schmerz ja nicht beschreiben. Deshalb ist es sehr wichtig die Anatomie und Physiologie von Babys zu kennen, ein geschultes Auge zu haben und zu wissen, wonach man speziell bei diesem Geburtstrauma suchen muss. Mit einer guten Ausbildung weiß man, welche Befunde bei welchem Geburtstrauma zu erwarten sind. 

Die Behandlung ist dann die nächste kleine Herausforderung. Die Babys kommen ja, weil es ihnen nicht gut geht. Also sind sie auch nicht immer super tiefen entspannt, wenn sie behandelt werden sollen. Als Kinderosteopath/-in ist es deshalb wichtig, ein gutes Gefühl für Babys zu haben, improvisieren zu können und die Behandlung so zu gestalten, das soviel wie möglich erreicht wird und trotzdem das Baby nicht so gestresst wird, das es negative Erinnerungen behält.

Es ist wichtig zu wissen, das es auch bei Behandlungen von Babys zu einer sogenannten “Erstverschlimmerung” kommen kann. Die Babys brauchen eine gewisse Zeit, um sich an die durchgeführten Korrekturen anzupassen. Hier hilft es dem Baby viel Zuneigung und Liebe zu schenken, um es durch diese Phase zu begleiten.

Wenn die Behandlung Erfolg hat, kann das Baby seine Entwicklung entspannter  fortsetzen, die Beschwerden verbessern sich, was in der Verringerung der Symptomatik auch für Eltern deutlich wird.

Das ist es, wofür es sich lohnt zu arbeiten, sich weiterzubilden und was mich motiviert. Und es hilft den Eltern diese außergewöhnliche Zeit mit Ihrem Baby frei von vermeidbarem Stress genießen zu können. 

Annett Martin